Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

Historische Wurzeln 
der Pragmatik
Jahr: 1996
Band:  18
Heft: 4

 

Armin Burkhardt
Geballte Zeichen: Das Symbol und seine Deutungen

Brigitte Nerlich
Sprachliche Darstellung als Prozeß: Die Pragmatisierung eines Begriffs von Kant bis Bühler

Frank Vonk
Ausdruck als Mitteilung und Steuerung: Pragmatische Kritik an Wundts völkerpsychologischem Forschungsprogramm
 


Geballte Zeichen: Das Symbol und seine Deutungen

Armin Burkhardt, Universität Magdeburg 

Zusammenfassung. Philosophie, Semiotik und Linguistik haben im 20. Jahrhundert völlig heterogene Bestimmungen des Symbolbegriffs hervorgebracht, die teilweise untereinander im Widerspruch stehen. Ausgehend vom Normalverständnis des Symbols als ’Sinnbild’ werden zunächst die Symbolkonzeptionen von Hegel, Schaff und Eco beschrieben. Weitergehende Analysen zeigen, daß Symbole ein Zeichentyp eigener Art sind, der sich spontanen oder konventionellen Deutungen verdankt und auf metonymische, synekdochische und metaphorische Prozesse zurückführbar ist. Einen Sonderplatz nehmen literarische Symbole ein. Mit Begriffen wie Verbundenheit, partielle Analogie (zwischen Ausdruck und Inhalt), Zweideutigkeit/Offenheit, Kulturgebundenheit, Erinnerung an Geschichte(n) und Exponiertheit lassen sich Leistung und Spielraum des Symbols ausmessen. 
 


Sprachliche Darstellung als Prozeß: Die Pragmatisierung eines Begriffs von Kant bis Bühler

Brigitte Nerlich, Universität Nottingham 

Zusammenfassung. In diesem Artikel wird die Entwicklung des Begriffs der Darstellung und seine zunehmende Integration in pragmatische Theorien der Sprache und der Bedeutung von Kant bis Bühler behandelt. In Kants Philosophie können Gedanken durch Zeichen (Charakterismen) dargestellt werden, oder, im Falle von reinen Verstandesbegriffen, durch Symbole (Hypotyposen, Darstellungen). Sprache wird als reine Entäußerung der Vernunft betrachtet. In Roths Abhandlung von 1795 werden Worte als Zeichen und Symbole zugleich betrachtet. Darstellung wird zu einem integralen Teil von sprachlicher Artikulation und Mitteilung. Bernhardi erkennt den zentralen Stellenwert der Darstellung im Prozeß der dialogischen Mitteilung und Verständigung zwischen vernünftigen Wesen. Diese Einschätzung wird von Humboldt geteilt. Im Gegensatz zu seinen nach-Kantischen Vorgängern erkennt Humboldt jedoch, daß Sprache nicht nur Gedanken darstellt, sondern daß Denken auf Sprache beruht, und hier ist der Prozeß der wechselseitigen Mitteilung wiederum zentral. Steinthal konzentriert seine Aufmerksamkeit auf das Verstehen, nicht auf die Mitteilung. Er macht jedoch eine erste Unterscheidung zwischen Darstellung, Mitteilung und Ausdruck. Wegener fügt diesen Sprachfunktionen diejenige des Appells hinzu, d.h. Sprache wird nicht nur zur Darstellung von Gedanken benutzt, sondern auch zur Beeinflussung des Willens und Denkens anderer. Bühler schließlich integriert die Funktion der Darstellung in eine wahrhaft pragmatische Sprachtheorie. 
 


Ausdruck als Mitteilung und Steuerung: Pragmatische Kritik an Wundts völkerpsychologischem Forschungsprogramm

Frank Vonk, Velp (Niederlande) 

Zusammenfassung. Die Geschichte der Pragmatik, ob linguistisch, philosophisch oder psychologisch betrachtet, ist so alt wie das Interesse des Menschen an der Rolle der Sprache im sozialen Verhalten. Zwar war die klassische Rhetorik eine der wichtigsten Quellen für Studien zur sozialen Funktion der Sprache, doch ist die Entwicklung der empirischen und experimentellen Psychologie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht weniger wichtig als Grundlage für die Erforschung der Beziehung zwischen Sprachgebrauch und menschlichem Verhalten in Äußerungskontexten. Der Autor vertritt die These, daß Grundlagenforschung im Bereich der linguistischen Pragmatik nicht erfolgreich sein kann, wenn sie nicht die psychologischen und soziologischen Aspekte des Sprachgebrauchs berücksichtigt. Die historische Übersicht, die in diesem Beitrag gegeben wird, kann insofern als Beschreibung notwendiger methodologischer Prämissen einer linguistischen Pragmatik angesehen werden. 
 



 
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