Armin Burkhardt
Geballte Zeichen: Das Symbol und seine Deutungen
Brigitte Nerlich
Sprachliche Darstellung als Prozeß: Die Pragmatisierung
eines Begriffs von Kant bis Bühler
Frank Vonk
Ausdruck als Mitteilung und Steuerung: Pragmatische Kritik
an Wundts völkerpsychologischem Forschungsprogramm
Geballte Zeichen: Das Symbol und seine
Deutungen
Armin Burkhardt, Universität Magdeburg
Zusammenfassung. Philosophie, Semiotik und Linguistik haben im 20. Jahrhundert
völlig heterogene Bestimmungen des Symbolbegriffs hervorgebracht,
die teilweise untereinander im Widerspruch stehen. Ausgehend vom Normalverständnis
des Symbols als ’Sinnbild’ werden zunächst die Symbolkonzeptionen
von Hegel, Schaff und Eco beschrieben. Weitergehende Analysen zeigen, daß
Symbole ein Zeichentyp eigener Art sind, der sich spontanen oder konventionellen
Deutungen verdankt und auf metonymische, synekdochische und metaphorische
Prozesse zurückführbar ist. Einen Sonderplatz nehmen literarische
Symbole ein. Mit Begriffen wie Verbundenheit, partielle Analogie (zwischen
Ausdruck und Inhalt), Zweideutigkeit/Offenheit, Kulturgebundenheit, Erinnerung
an Geschichte(n) und Exponiertheit lassen sich Leistung und Spielraum des
Symbols ausmessen.
Sprachliche Darstellung als Prozeß:
Die Pragmatisierung eines Begriffs von Kant bis Bühler
Brigitte Nerlich, Universität Nottingham
Zusammenfassung. In diesem Artikel wird die Entwicklung des Begriffs
der Darstellung und seine zunehmende Integration in pragmatische Theorien
der Sprache und der Bedeutung von Kant bis Bühler behandelt. In Kants
Philosophie können Gedanken durch Zeichen (Charakterismen) dargestellt
werden, oder, im Falle von reinen Verstandesbegriffen, durch Symbole (Hypotyposen,
Darstellungen). Sprache wird als reine Entäußerung der Vernunft
betrachtet. In Roths Abhandlung von 1795 werden Worte als Zeichen und Symbole
zugleich betrachtet. Darstellung wird zu einem integralen Teil von sprachlicher
Artikulation und Mitteilung. Bernhardi erkennt den zentralen Stellenwert
der Darstellung im Prozeß der dialogischen Mitteilung und Verständigung
zwischen vernünftigen Wesen. Diese Einschätzung wird von Humboldt
geteilt. Im Gegensatz zu seinen nach-Kantischen Vorgängern erkennt
Humboldt jedoch, daß Sprache nicht nur Gedanken darstellt, sondern
daß Denken auf Sprache beruht, und hier ist der Prozeß der
wechselseitigen Mitteilung wiederum zentral. Steinthal konzentriert seine
Aufmerksamkeit auf das Verstehen, nicht auf die Mitteilung. Er macht jedoch
eine erste Unterscheidung zwischen Darstellung, Mitteilung und Ausdruck.
Wegener fügt diesen Sprachfunktionen diejenige des Appells hinzu,
d.h. Sprache wird nicht nur zur Darstellung von Gedanken benutzt, sondern
auch zur Beeinflussung des Willens und Denkens anderer. Bühler schließlich
integriert die Funktion der Darstellung in eine wahrhaft pragmatische Sprachtheorie.
Ausdruck als Mitteilung und Steuerung:
Pragmatische Kritik an Wundts völkerpsychologischem Forschungsprogramm
Frank Vonk, Velp (Niederlande)
Zusammenfassung. Die Geschichte der Pragmatik, ob linguistisch, philosophisch
oder psychologisch betrachtet, ist so alt wie das Interesse des Menschen
an der Rolle der Sprache im sozialen Verhalten. Zwar war die klassische
Rhetorik eine der wichtigsten Quellen für Studien zur sozialen Funktion
der Sprache, doch ist die Entwicklung der empirischen und experimentellen
Psychologie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht weniger
wichtig als Grundlage für die Erforschung der Beziehung zwischen Sprachgebrauch
und menschlichem Verhalten in Äußerungskontexten. Der Autor
vertritt die These, daß Grundlagenforschung im Bereich der linguistischen
Pragmatik nicht erfolgreich sein kann, wenn sie nicht die psychologischen
und soziologischen Aspekte des Sprachgebrauchs berücksichtigt. Die
historische Übersicht, die in diesem Beitrag gegeben wird, kann insofern
als Beschreibung notwendiger methodologischer Prämissen einer linguistischen
Pragmatik angesehen werden.