Arbeitsstelle für Semiotik AfS 

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts  

Inszenierung von Welt:  
Semiotik des Theaters
 
Jahr: 1989
Band:  11
Heft: 1

 
Patrice Pavis 
Die Inszenierung zwischen Text und Aufführung 

Hands-Thies Lehmann 
Die Inszenierung: Probleme ihrer Analyse 

Marco de Marinis 
Den Zuschauer verstehen: Für eine Soziosemiotik der Theaterrezeption 

Erika Fischer-Lichte 
Wandel theatralischer Kodes: Zur Semiotik der interkulturellen Inszenierung 


Die Inszenierung zwischen Text und Aufführung 

Patrice Pavis, Universität Paris VIII 

Zusammenfassung 
Es werden die Grundlagen für eine Theorie der Inszenierung besprochen, die die sterile traditionalle Opposition zwischen Produktions- und Rezeptionsästhetik zu überwinden verspricht. Die Inszenierung wird als Struktur verstanden, die sich vom schriftlich fixierten Dramentext und von der empirisch gegebenen materiellen Aufführung gleichermaßen unterscheidet und die erst beim Zuschauen durch die Inbezugssetzung aller präsentierter Signifikantensysteme miteinander entsteht. Sie beruht auf der Konkretisierung, Fiktionalisierung und Ideologisierung des Textes im sozialen Kontext des jeweiligen Theaterpublikums. Ihren Rahmen bildet die von allen Beteiligten gemeinsam geschaffene Verlautbarungssituation, die die verbalen und nonverbalen Signifikantensysteme in Wechselwirkung miteinander bringt. 


Die Inszenierung: Probleme ihrer Analyse 

Hands-Thies Lehmann, Universität Frankfurt 

Zusammenfassung 
Wenn der Untersuchungsgegenstand der Theaterwissenschaft die Inszenierung its, sollte die Theatersemiotik den Inszenierungstext als eigenständiges Kunstobjekt reflektieren. Die Analyse der Inszenierung muß die ambivalenten ästhetischen Prozesse der Bedeutungserzeugung aufdecken sowie die vielfältigen Möglichkeiten zur gegenseitigen Inbezugsetzung des Zeichenmaterials nachzeichnen und dabei gerade auch seine besonderen Rhytmen und Unentscheidbarkeiten bewußt machen. Immer ist das Theaterereignis als Ganzes einzubeziehen, so daß die verschiedenen Theaterkonzeptionen als unterschiedliche Akzentsetzungen in der Struktur des Theaterereignisses beschreibbar werden. Als Beispiel für diesen Ansatz werden analysiert: die metaphorische Inszenierung von Kleists "Käthchen von Heilbronn" durch Jürgen Flimm (1979), die szenographische Inszenierung der Lachsequenz in Robert Wilsons "CIVIL warS" (1984) und die Inszenierung des Theaters als spezifischer Situation in der Arbeit der Wiener Truppe Angelus Novus (1986). 


Den Zuschauer verstehen: Für eine Soziosemiotik der Theaterrezeption 

Marco de Marinis, Universität Bologna 

Zusammenfassung 
Um eine angemessene Erforschung der Rezeption von Theaterveranstaltungen zu gewährleisten, hat die Soziosemiotik des Theaters eine Reihe von Fehlern zu vermeiden: (a) die künstliche Synthetisierung eines homogenen "Theaterpublikums", (b) die unkritische Anwendung bloß quantitativer soziographischer Verfahren und (c) das nihilistische Abdriften in schöne Beliebigkeiten nach dekonstruktionistischer Manier. Der vorliegende Aufsatz stellt der Soziosemiotik des Theaters die Aufgabe, den Zuschauer zu verstehen, und entwickelt ein operationalisierbares theoretisches Instrumentarium, das eine empirische Zuschauerforschung ermögicht. Im Mittelpunkt stehen die Rezeptionsakte der Zuschauer mitsamt ihren Vorbedingungen und Ergebnissen. Rezeption wird nicht als einseitiger Prozeß, sondern als Interaktion von Produktions- und Rezeptionsstrategien analysiert, in der neben sozio-ökonomischen, psychologischen und biologischen Parametern auch kulturelle Faktoren zu berücksichtigen sind: das Allgemeinwissen, die Detailkenntnis, die Erwartungshaltung und die von der Theaterarchitektur mitbestimmte physische Position des Zuschauers im Theater. Dieser theoretische Rahmen lag zwei empirischen Forschungsprojekten zugrunde, die der Verfasser am Theater Metastasio in Prato durchgeführt hat. Ihre bisherigen Ergebnisse werden zusammenfassend dargestellt. 


Wandel theatralischer Kodes: Zur Semiotik der interkulturellen Inszenierung 

Erika Fischer-Lichte, Universität Bayreuth 

Zusammenfassung 
Ausgehend von einer vergleichenden Theaterforschung, die Beispiele aus dem europäischen, chinesischen und japanischen Theater heranzieht, und von kulturgeschichtlich belegten Prinzipien des Wandels liefert diese Untersuchung Bausteine zu einer Theorie des theatralischen Kodewandels. In den untersuchten interkulturellen Inszenierungen bewirkt die Dialektik von Kode und Botschaft aufgrund der produktiven Rezeption von Elementen aus fremden Theatertraditionen Veränderungen des zugrunde liegenden theatralischen Kodes, die als Erweiterung und Auflösung des Kodes oder als Konstitution eines neuen zu klassifizieren sind. 
 
 

 
 

 
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