Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

Zeichen und Fiktion
Jahr: 1987
Band:  9
Heft: 1 / 2

 
Arnold Günther
Vorwort 

Arnold Günther
Zeichen und Fiktion 

Pavel Tich?
Einzeldinge als Amtsinhaber. Die Überlegungen von Brentano, Meinong, Frege und Russell zu einer transparenten intensionalen Semantik

Terence Parsons
Fiktion: Frege vs. Meinong

Gottfried Gabriel
"Sachen gibt's, die gibt's gar nicht" Sprachanalytische Bemerkungen zur Wiederentdeckung von Meinongs Jenseits durch T. Parsons

 Literarische Einlage 
Dumitru Solomon
Sommerphantasie 

Edward N. Zalta
Erzählung als Taufe des Helden

Karel Lambert
Semantik der Prädikation ohne Abstraktion

Jens F. Ihwe
Fiktion ohne Fiktionen. Nelson Goodmans Beitrag zur Aktualität "nicht-existenter" und "fiktionaler" Objekte

Richard Sylvan
Wissenschaft, Mythos, Fiktion: Sie alle überschreiten die Grenzen des Wirklichen und manchmal gar die des Möglichen

 Elektronische Einlage 
Hans-Peter Dimke
Tele-Phantome 

Klaus Bartels
Zwischen Fiktion und Realität: das Phantom
 
 


Einzeldinge als Amtsinhaber. Die Überlegungen von Brentano, Meinong, Frege und Russell zu einer transparenten intensionalen Semantik

Pavel Tich?, University of Otago 

Zusammenfassung. Seit Frege ist man sich weithin darin einig, daß adäquate semantische Sprachanalyse nur möglich ist, wenn man zusätzlich zu extensionalen Objekten wie Individuen und Mengen von Individuen auch abstrakte Objekte zugrundelegt, die kontingenterweise extensionale Objekte bestimmen oder auswählen, ohne mit ihnen identisch zu sein. Diese abstrakten Objekte seien kurz A-Objekte genannt. Nach Frege sind sprachliche Ausdrücke sinnvoll, weil sie mit A-Objekten (Sinnen) assoziiert sind. Aber nach Freges Theorie bezeichnen die Ausdrücke die mit ihnen assoziierten A-Objekte nur in besonderen Kontexten; normalerweise bezeichnen sie das, was die A-Objekte auswählen. Nach dieser Ansicht muß eins von zwei Desideraten aufgegeben werden: die Eindeutigkeit der Ausdrücke (so Frege) oder das Funktionalitätsprinzip (so Montague und viele andere). Der vorliegende Aufsatz hat zum Ziel, den Begriff des A-Objekts philosophisch zu begründen und die Entstehung dieses Begriffs in der neueren Philosophie nachzuzeichnen. Es wird begründet, daß unter der Hypothese, daß A-Objekte sogar in Normalkontexten oft als Referenzobjekte dienen, beide erwähnten Desiderate erfüllt werden können. Die Logik, die sich unter diesem Gesichtspunkt empfiehlt, ist intensional nur in dem Sinn, daß sie A-Objekte benutzt; sie ist vollkommen transparent in dem Sinn, daß sie keine Abweichungen vom Funktionalitätsprinzip erlaubt. Es stellt sich ebenfalls heraus, daß die Fregesche Aufspaltung von Inhalt in Sinn und Bedeutung (Referenz) aufgegeben werden kann. 
 


Fiktion: Frege vs. Meinong

Terence Parsons, University of California at Irvine 

Zusammenfassung. Es wird eine Theorie fiktionaler Objekte im Sinne Freges skizziert, wonach diese Objekte Individuenbegriffe sind. Ein kleineres Problem und einige Komplikationen werden diskutiert, die zu einer etwas genaueren Fassung der Theorie veranlassen. Danach werden vier Einwände gegen diese Theorie formuliert, die zusammen genommen die Theorie unplausibel machen. Die Skizze einer Theorie fiktionaler Objekte im Sinne Meinongs schließt sich an. Wie sich zeigt, entgeht diese Theorie wenigstens drei der vier formulierten Einwände. 
 


"Sachen gibt's, die gibt's gar nicht" Sprachanalytische Bemerkungen zur Wiederentdeckung von Meinongs Jenseits durch T. Parsons

Gottfried Gabriel, Universität Konstanz 

Zusammenfassung. Das Folgende ist eine Auseinandersetzung mit einigen Argumenten, die Terence Parsons zugunsten der Anerkennung fiktiver Gegenstände (im Sinne Meinongs) vorgetragen hat (vgl. u.a. seinen Aufsatz im vorliegenden Heft). Parsons versucht an ausgewählten Beispielsätzen zu zeigen, daß die üblichen Paraphrasen mit dem Ziel, die Anerkennung nicht-existierender Gegenstände zu vermeiden, nicht immer gelingen. Des weiteren untersucht Parsons als mögliche Alternative zu seinem eigenen Meinongschen Ansatz einen Fregeschen Ansatz, der darauf hinausläuft, fiktive Gegenstände als intensionale Gegenstände aufzufassen. Auch diese Alternative wird von ihm als unzureichend verworfen. Entgegen den Überlegungen von Parsons wird hier versucht, aufgrund einer eingehenden Analyse der Parsonschen Beispielsätze eine adäquate Paraphrase dieser Sätze vorzulegen, die unter Verwendung Fregescher Unterscheidungen ohne die Anerkennung fiktiver Gegenstände (im Sinne Meinongs) auskommt und darüberhinaus sogar vermeidet, die Fregeschen Sinngebilde als intensionale Gegenstände aufzufassen. Im Ergebnis bedeutet dies, daß die von Parsons als unvermeidlich angesehenen ontologischen Zugeständnisse (hinsichtlich nicht-existierender Gegenstände) tatsächlich vermeidbar sind und daß die Theorie des Fiktiven ohne diese Zugeständnisse auskommt. 
 


Erzählung als Taufe des Helden. Wie man auf fiktionale Objekte Bezug nimmt

Edward N. Zalta, Stanford University 

Zusammenfassung. Der Autor beantwortet in diesem Aufsatz eine Frage, die zu den gängigen Theorien nicht-existierender Gegenstände gestellt worden ist. Die Frage betrifft die Art und Weise, wie die Namen fiktionaler Figuren ihre Denotationen erhalten, wenn sie als Namen analysiert werden, die nicht-existierende Gegenstände denotieren. Weil nicht-existierende Gegenstände mit existierenden Gegenständen nicht in kausaler Wechselwirkung stehen können, wird angenommen, daß man die kausale oder historische Theorie der Referenz hier nicht benutzen kann und damit auch die Kausalkette nicht bis hin zu einer ersten "Benennung" oder "Taufe" zurückverfolgen kann. Die Frage ist deshalb: Womit fängt die Kette an? Die Antwort: Geschichten-Erzählen ist als eine sich lang hinziehende Taufe aufzufassen. Den Einzelheiten dieses Vorschlags wird in diesem Aufsatz nachgegangen. Ist die Geschichte einmal erzählt und sind die Personen getauft, sorgen apriorische metaphysische Prinzipien, die das Geschichten-Erzählen mit dem Bereich der nicht-existierenden Gegenstände verknüpfen, für die referentielle, nicht-kausale Verbindung zwischen den beim Geschichten-Erzählen verwendeten Namen und den von den Namen denotierten Gegenständen. 
 


Semantik der Prädikation ohne Abstraktion

Karel Lambert, University of California at Irvine 

Zusammenfassung. Dieser Aufsatz hat vier Teile. In Teil 1 wird das logische Prinzip der Abstraktion vorausgesetzt und das Prinzip der Prädikation erläutert; es wird nachgewiesen, daß das Prinzip der Prädikation nicht-extensional ist, da es zuläßt, daß der Wahrheitswert eines Satzes sich ändert, wenn koextensionale Prädikate in ihm gegeneinander ausgetauscht werden. Teil 2 zeigt aufgrund informeller Argumentation, daß das Prinzip der Abstraktion falsch ist. Teil 3 entwickelt eine formale Semantik, die ohne dieses Prinzip auskommt. Teil 4 untersucht erneut das Prinzip der Prädikation und beweist, daß es auf der in Teil 3 geschaffenen Grundlage extensional ist. 
 


Fiktion ohne Fiktionen. Nelson Goodmans Beitrag zur Aktualität "nicht-existenter" und "fiktionaler" Objekte

Jens F. Ihwe, Universiteit van Amsterdam 

Zusammenfassung. Der Aufsatz zeigt, wie die Paradoxien der Fiktion, die in der modernen Sprachphilosophie und Literaturtheorie entstanden sind, in der Symboltheorie Nelson Goodmans aufgelöst werden können. Für Goodman kommt es zu keiner Paradoxie, da er der Fiktion einen grundsätzlich anderen erkenntnistheoretischen und logischen Status zuerkennt. Fiktion wie Nicht-Fiktion sind für ihn gleichermaßen an der Schaffung wirklicher Welten beteiligt. Voraussetzung dafür ist seine Erweiterung des Referenzbegriffs, die der Aufsatz in den Grundzügen skizziert. 
 


Wissenschaft, Mythos, Fiktion: Sie alle überschreiten die Grenzen des Wirklichen und manchmal gar die des Möglichen

Richard Sylvan, geb. Routley, Bungendore, Australien 

Zusammenfassung. Die Sistologie, die allgemeine Untersuchung aller Gegenstände, handelt im Gegensatz zur Ontologie auch von nicht-existierenden und unmöglichen Objekten. Es wird skizziert, wie sich das logisch erreichen läßt; die sich ergebenden Vorteile für Linguistik, Sprache und Literatur werden angedeutet. Die Theorie wird für einen Vergleich von Wissenschaft und Fiktion benutzt. Wissenschaft und Fiktion unterscheiden sich syntaktisch nicht wesentlich voneinander, inhaltlich gibt es bedeutsame Überlappungen. Wie sich herausstellt, bilden Wissenschaft und Fiktion ineinander übergehende Familien, bei denen die trennenden Merkmale hauptsächlich in der deduktiven Abgeschlossenheit und in der qualifizierten Konfrontierbarkeit mit der Erfahrung bestehen. Der Rest der Kluft zwischen Wissenschaft und Fiktion wird vom Mythos überbrückt. Zwei Stile des Mythos werden grob skizziert: anthropozentrische und naturalistische Mythen. Die letzteren haben denselben Status wie überholte und verworfene wissenschaftliche Theorien. Die bestehenden Ähnlichkeiten werden für eine neue Darstellung von wissenschaftlicher Theorienbildung und wissenschaftlicher Erklärung ausgenutzt. Eine wissenschaftliche Theorie ist eine Geschichte, die Wirklichkeitsbedingungen erfüllt. Auch die wissenschaftliche Erklärung paßt in den Rahmen, der mit dem Begriff der Geschichte gegeben ist. Die Darstellung erfaßt, was für viele Erklärungen zentral ist: Erklärung des Existierenden mit Hilfe von Nicht-Existierendem. Die Wissenschaft befaßt sich ihrem Wesen nach nicht nur mit dem Nicht-Existierenden, sondern auch mit dem Unmöglichen. In diesem Zusammenhang erhalten auch widersprüchliche Theorien und andere widersprüchliche Objekte ihre Rolle. 
 


Zwischen Fiktion und Realität: das Phantom

Klaus Bartels, Universität Hamburg 

Zusammenfassung. Der Aufsatz stellt die Frage, ob es sinnvoll ist, zusätzlich zu den Kategorien des "Realen" und des "Fiktiven" die Kategorie des "Phantomatischen" einzuführen. Die Analyse der Manuskript- und der Buchdruckkultur zeigt, daß lese- und schreibkundige Gesellschaften in der Technik der Gedächtnisspeicherung auf spezifische halluzinatorische Merkformen zurückgreifen. Diese traditionellen "artificial memories" verbinden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit elektrischen Techniken der Gedächtnisspeicherung zum Phantomatischen. 
 
 

 


 
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