Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

Interpretation als Lebenspraxis
Jahr: 1986
Band:  8
Heft: 4

 
Werner Ingendahl
Interpretation als Lebenspraxis. Modi der Erfahrung von und mit Literatur

Hans Scherer
Siglen als Indikatoren des Kulturwandels

Wilhelm Köller
Dimensionen des Metaphernproblems

Gunther Weimann, Klaus Boehnke, Peter Noack
Jugendsymbole: Funktionen des Buttontragens

Einlage 
Michail Bilinkis, Alexej Turowski
Geschwisterliebe. Zur Entschlüsselung eines alchemistischen Intertexts

Erhebung 
Annemarie Lange-Seidl
Semiotik an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz 
 


Interpretation als Lebenspraxis. Modi der Erfahrung von und mit Literatur

Werner Ingendahl, Gesamthochschule Wuppertal 

Zusammenfassung. Im Anschluß an K. Chvatiks Typologie der menschlichen Einstellungen zur Welt (vgl. Zeitschrift für Semiotik 5, 1983: 229-242) unterscheidet der Autor vier grundlegende Erfahrungsmodi: (1) den praktischen (alltagsweltlichen) Modus: Erfahrung im Rahmen nutzenorientierter Handlungen, (2) den theoretischen Modus: Erfahrung durch erkenntnisorientierte Reflexion, (3) den ästhetischen Modus: Erfahrung durch die Sinne, das Spiel und die Phantasie und (4) den ethisch-politischen Modus: Erfahrung im Rahmen der Abwägung von Handlungskonsequenzen. Diese vier Erfahrungsmodi werden in einer Interpretation des Gedichts "Der Radwechsel" von Brecht auf ihre erschließenden Leistungen hin befragt. Dabei zeigt sich, daß die vier Modi sowohl je eigene Erkenntnisse erbringen, als auch - in einer didaktischen Reihe zusammenwirkend - Interpretation als Lebenspraxis erfahren lassen. 
 


Siglen als Indikatoren des Kulturwandels

Hans Scherer, Technische Hochschule Aachen 

Zusammenfassung. Das "Worten der Welt" nimmt in unserer Zeit eine entscheidende Wende weg von einem impressionistischen und hin zu einem rationalen Zugriff zu den Gegenständen unserer Vorstellung. Durch immer differenziertere Begrifflichkeiten entsteht ein unüberschaubares Fachvokabular, als dessen augenfälligster Exponent die Siglen ins Blickfeld treten. Ihr hoher kommunikativer Wert beruht auf dem Umstand, daß sie aufgrund der Initialfügung einen beträchtlichen Rest an Selbstdeutigkeit konservieren, so daß mit einem kommunikativen Minimalaufwand ein Höchstmaß wohldefinierter Information transportiert werden kann. Der vielfach beklagte Hermetismus wird einerseits durch kontextuelle Hinweise gemildert; er ist andererseits sogar Voraussetzung dafür, daß Siglen wie Normalwörter oder als übernationale Lexeme verwendet werden können. 
 


Dimensionen des Metaphernproblems

Wilhelm Köller, Gesamthochschule Kassel 

Zusammenfassung. Das Metaphernproblem hat seit über 2000 Jahren die theoretische Neugier auf sich gezogen, weil es gleichsam stellvertretend für das Sprachproblem selbst untersucht werden kann. Eine abschließende Metapherntheorie wird es wahrscheinlich ebensowenig geben wie eine abschließende Sprachtheorie, weil das Metaphernproblem so komplex ist, daß sich viele Wissenschaften sinnvoll mit ihm beschäftigen können. Hier soll versucht werden darzustellen, welche Dimensionen des Metaphernproblems sich zeigen, wenn es aus der Perspektive der Methodologie, der Logik, der Zeichentheorie, der Erkenntnistheorie, der Anthropologie, der Handlungstheorie und der Ästhetik betrachtet wird. 
 


Jugendsymbole: Funktionen des Buttontragens

Gunther Weimann, Klaus Boehnke, Peter Noack, Berlin 

Zusammenfassung. Dieser Aufsatz untersucht Bedeutung und Funktion von Buttons in der Jugendkultur. Im ersten Teil wird ein Rahmen skizziert, der eine semiotische Analyse dieser verbalen und nonverbalen visuellen Zeichen ermöglicht. Ein auf der Morrisschen Dreiteilung der Semiotik beruhendes Untersuchungsmodell wird entwickelt, um Buttons klassifizieren zu können. Für die Entwicklung einer "Buttonpragmatik" bietet Jakobsons Funktionsklassifikation der Sprachverwendung in referentielle, emotive, konative, phatische, metasprachliche und poetische Funktionen einen Ansatzpunkt. Im zweiten Teil werden sieben Annahmen zu Funktionen des Buttontragens diskutiert und mit Jakobsons Sprachfunktionen in Beziehung gesetzt. Die subjektive Wichtigkeit der angenommenen Funktionen des Buttontragens wird im letzten Teil in einer Interviewstudie überprüft. Es zeigt sich, daß es eine für alle Jugendliche gültige Hierarchie von Funktionen des visuellen Zeichengebrauchs nicht gibt. Nur die phatische Funktion ist für alle Jugendliche von höherer subjektiver Wichtigkeit. Insgesamt kann geschlußfolgert werden, daß Buttontragen zu Kommunikationszwecken zwar als Jugendspezifikum zu begreifen ist, die exakte Funktion des Zeichengebrauchs aber eher als gruppenspezifisch anzusehen ist. 
 


Einlage 
Geschwisterliebe. Zur Entschlüsselung eines alchemistischen Intertexts

Michail Bilinkis, Alexej Turowski, Moskau 

Zusammenfassung. Die Verfasser deuten einen Märchentext aus einem alchemistischen Buch des 18. Jahrhunderts, indem sie jedem Ereignis einen chemischen Prozeß zuordnen. Die Übersetzung des narrativen alchemistischen Textes in die Formelsprache der modernen Chemie erweist sich als schwierig, aber nicht unmöglich. 
 
 

 


 
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