Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

„Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation“
Jahr: 1985
Band:  7
Heft: 3

 

Roland Posner
Einleitung 

Peter Winterhoff-Spurk 
Die Mimik in Aufforderung und Bericht. Zum Zusammenhang 
verbaler und nonverbaler Kommunikation

Hermann Kalkofen 
Die Gestik der SA beim Führergruß. 
Zur "Ritualisierung" eines politischen Signals

Hans-Joachim Hoffmann
Der Gebrauch der Kleidung. 
Beabsichtigte, erwartete und erhoffte Öffentlichkeit

Lutz Huth
Die Bilder der Fernsehnachrichten 
als Elemente kommunikativen Handelns

Terminologiediskussion 
Roland Posner
Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation. 
Zu Geschichte und Gebrauch kommunikationstheoretischer 
Schlüsselbegriffe
 


Die Mimik in Aufforderung und Bericht. Zum Zusammenhang verbaler und nonverbaler Kommunikation 

Peter Winterhoff-Spurk, Universität Mannheim 

Zusammenfassung. Der Beitrag diskutiert auf der Grundlage von Bühlers 
Zeichentheorie die Unterscheidung zwischen verbaler und nonverbaler 
Kommunikation. Er kritisiert die geläufige einseitige Zuweisung der 
Darstellungsfunktion zu verbaler und der Ausdrucksfunktion zu nonverbaler 
Kommunikation und plädiert dafür, Sprechhandeln als Produktion von 
Zeichenkomplexen (Superzeichen) anzusehen, denen die Darstellungs-, Ausdrucks- und Appellfunktion nur als ganzen zugeschrieben werden kann. Das Verhältnis zwischen den vokal-verbalen und den nonvokal-nonverbalen Bestandteilen innerhalb solcher Superzeichen wird dann am Beispiel der Präsentation von mündlichen Aufforderungen im Alltag und von mündlichen Berichten in den Femsehnachrichten empirisch untersucht. Aufforderungen von verschiedener Direktheit werden nach den Parametern Informativität und Instrumentalität bewertet. Experimentelle Befunde zeigen, daß der Sprecher 
Informativitätsdefizite bei indirekten Aufforderungen gewöhnlich durch langen 
Blickkontakt ("auffordernden Blick") und Instrumentalitätsdefizite bei direkten 
Aufforderungen durch Lächeln und abschwächende Intonation kompensiert. Wie eine Analyse von Fensehnachrichten zeigt, setzt der Nachrichtensprecher 
Quasi-Blickkontakt mehr zur Akzentuierung der Nachrichtengegenstände als der Aussagen über sie ein. In beiden Textsorten hat der Blickkontakt die Funktion des Appells an die Aufmerksamkeit des Rezipienten. 
 


Die Gestik der SA beim Führergruß. Zur "Ritualisierung" eines politischen Signals

Hermann Kalkofen, Institut für den wissenschaftlichen Film, Göttingen 

Zusammenfassung. Der Beitrag präsentiert dokumentarisches Material zur 
Entwicklung des Grußzeremoniells der SA auf den Parteitagen der NSDAP in 
Nürnberg. Aufgrund anthropologischer und ethologischer Begriffsbestimmungen 
wird überlegt, ob Zeichenwandel dieser Art als Ritualisierung beschrieben 
werden kann. 
 


Der Gebrauch von Kleidung. Beabsichtigte, erwartete und erhoffte Öffentlichkeit 

Hans-Joachim Hoffmann, Hochschule der Künste Berlin 

Zusammenfassung. Der Autor diskutiert die Ergebnisse einer Untersuchung der 
Abbildungen von 2866 Personen in Publikumszeitschriften. Die Funktion der 
Kleidung in Politik und Wirtschaft erweist sich als signemisch und affiliativ, 
in Unterhaltung und Mode dagegen als stimulierend, paradox und transvestit. Die Analyse der durch Kleidung angesprochenen Typen von Öffentlichkeit ergibt, daß zwischen beabsichtigter, erwarteter und erhoffter Öffentlichkeit zu 
unterscheiden ist. Expressiver Kleidungsgebrauch wird als Mitteilung erhoffter 
Öffentlichkeit gedeutet. Die Möglichkeit zu expressivem Kleidungsgebrauch steht Frauen weit mehr offen als Männern, die ihn im allgemeinen nur zu realisieren wagen, wenn sie der Unterhaltungsszene angehören. 
 


Bilder als Elemente kommunikativen Handelns in den Fernsehnachrichten

Lutz Huth, Linden-Leihgestern 

Zusammenfassung. Um eine umfassende Inhaltsanalyse des verbalen und des 
visuellen Materials in multimedialen Texten vorzubereiten, diskutiert der Autor 
rezipientenorientierte Prinzipien zur Klassifikation der Funktionen von Bildern 
in den Fernsehnachrichten. In diesem Zusammenhang prüft er die Unterscheidungen von auditiven vs. visuellen Sinnesmodalitäten, von ikonischem vs. digitalem Zeichentyp, von referentieller vs. emotiver Funktionsweise sowie von inhaltlicher vs. funktionaler Äquivalenz zwischen Bildern und stellt die These auf, daß für die Zeichenhaftigkeit von Bildern neben anderen Faktoren der 
Rezeptionssituation deren Einordnung auf dem Kontinuum ikonisch/digital durch 
den Rezipienten ausschlaggebend ist. In den Fernsehnachrichten werden folgende Funktionen des visuellen Materials unterschieden: 1. Rollenzuweisung für das abgebildete Medienpersonal, 2. Angabe des Textthemas, 3. Strukturierung des Textes, 4. Identifizierung des Gegenstandes verbaler Aussagen, 5. Demonstration des Inhalts verbaler Aussagen, 6. Erläuterung der verbalen Aussagen, 7. selbständige Darstellung eigener Aussagen, 8. Motivation von Interesse beim Rezipienten, 9. Dramatisierung der verbal dargestellten Ereignisse, 10. Vermittlung des Eindrucks der Authentizität, 11. Verfremdung der verbalen Mitteilungen, 12. Thematisierung des visuellen Kodes (metakommunikative Funktion). Abschließend wird nach intersubjektiv feststellbaren Indikatoren für das Vorliegen dieser Funktionen im Einzelfall gefragt und das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Funktionen problematisiert. 
 


Terminologiediskussion 
Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation 
Zu Geschichte und Gebrauch der Begriffe "verbal" und "nonverbal", "Interaktion" 
und "Kommunikation", "Publikum" und "Öffentlichkeit", "Medium", "Massenmedium" 
und "multimedial" 

Roland Posner, Technische Universität Berlin 

Zusammenfassung. Der Beitrag erörtert Geschichte und Gebrauch von 
Schlüsselbegriffen der deskriptiven Semiotik zur Beschreibung der nonverbalen 
Kommunikation und der Kommunikationsmedien. Er entwickelt einen 
Definitionsvorschlag für nonverbale Zeichen und klärt die begrifflichen 
Beziehungen zwischen "verbalen" und "nonverbalen", "sprachlichen", 
"parasprachlichen", "außersprachlichen" und "nichtsprachlichen" 
Verhaltensweisen sowie zwischen "linguistischen", "paralinguistischen", 
"außerlinguistischen" und "nichtlinguistischen" Beschreibungen. Aufgrund von 
Beispielanalysen wird gezeigt, unter welchen Bedingungen man in verbalem und 
nonverbalem, sprachlichem und nichtsprachlichem Verhalten von "Interaktion" und "Kommunikation" sprechen kann. Im Zentrum der Untersuchung steht die Rolle des Kommunikationsbegriffs bei der Definition von "Publikum", "Öffentlichkeit", "öffentliche Meinung" und "Massenkommunikation". Abschließend wird die gängige Verwendung der Termini "Medium", "Massenmedium" und "multimedial" diskutiert und die Frage beantwortet, unter welchen Bedingungen öffentliche Kommunikation als Massenkommunikation und nonverbale Kommunikation als multimediale Kommunikation gelten kann. 
 

 


 
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