Roland Posner
Einleitung
Peter Winterhoff-Spurk
Die Mimik in Aufforderung und Bericht. Zum Zusammenhang
verbaler und nonverbaler Kommunikation
Hermann Kalkofen
Die Gestik der SA beim Führergruß.
Zur "Ritualisierung" eines politischen Signals
Hans-Joachim Hoffmann
Der Gebrauch der Kleidung.
Beabsichtigte, erwartete und erhoffte Öffentlichkeit
Lutz Huth
Die Bilder der Fernsehnachrichten
als Elemente kommunikativen Handelns
Terminologiediskussion
Roland Posner
Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation.
Zu Geschichte und Gebrauch kommunikationstheoretischer
Schlüsselbegriffe
Die Mimik in Aufforderung und Bericht.
Zum Zusammenhang verbaler und nonverbaler Kommunikation
Peter Winterhoff-Spurk, Universität Mannheim
Zusammenfassung. Der Beitrag diskutiert auf der Grundlage von Bühlers
Zeichentheorie die Unterscheidung zwischen verbaler und nonverbaler
Kommunikation. Er kritisiert die geläufige einseitige Zuweisung
der
Darstellungsfunktion zu verbaler und der Ausdrucksfunktion zu nonverbaler
Kommunikation und plädiert dafür, Sprechhandeln als Produktion
von
Zeichenkomplexen (Superzeichen) anzusehen, denen die Darstellungs-,
Ausdrucks- und Appellfunktion nur als ganzen zugeschrieben werden kann.
Das Verhältnis zwischen den vokal-verbalen und den nonvokal-nonverbalen
Bestandteilen innerhalb solcher Superzeichen wird dann am Beispiel der
Präsentation von mündlichen Aufforderungen im Alltag und von
mündlichen Berichten in den Femsehnachrichten empirisch untersucht.
Aufforderungen von verschiedener Direktheit werden nach den Parametern
Informativität und Instrumentalität bewertet. Experimentelle
Befunde zeigen, daß der Sprecher
Informativitätsdefizite bei indirekten Aufforderungen gewöhnlich
durch langen
Blickkontakt ("auffordernden Blick") und Instrumentalitätsdefizite
bei direkten
Aufforderungen durch Lächeln und abschwächende Intonation
kompensiert. Wie eine Analyse von Fensehnachrichten zeigt, setzt der Nachrichtensprecher
Quasi-Blickkontakt mehr zur Akzentuierung der Nachrichtengegenstände
als der Aussagen über sie ein. In beiden Textsorten hat der Blickkontakt
die Funktion des Appells an die Aufmerksamkeit des Rezipienten.
Die Gestik der SA beim Führergruß.
Zur "Ritualisierung" eines politischen Signals
Hermann Kalkofen, Institut für den wissenschaftlichen Film,
Göttingen
Zusammenfassung. Der Beitrag präsentiert dokumentarisches Material
zur
Entwicklung des Grußzeremoniells der SA auf den Parteitagen der
NSDAP in
Nürnberg. Aufgrund anthropologischer und ethologischer Begriffsbestimmungen
wird überlegt, ob Zeichenwandel dieser Art als Ritualisierung
beschrieben
werden kann.
Der Gebrauch von Kleidung. Beabsichtigte,
erwartete und erhoffte Öffentlichkeit
Hans-Joachim Hoffmann, Hochschule der Künste Berlin
Zusammenfassung. Der Autor diskutiert die Ergebnisse einer Untersuchung
der
Abbildungen von 2866 Personen in Publikumszeitschriften. Die Funktion
der
Kleidung in Politik und Wirtschaft erweist sich als signemisch und
affiliativ,
in Unterhaltung und Mode dagegen als stimulierend, paradox und transvestit.
Die Analyse der durch Kleidung angesprochenen Typen von Öffentlichkeit
ergibt, daß zwischen beabsichtigter, erwarteter und erhoffter Öffentlichkeit
zu
unterscheiden ist. Expressiver Kleidungsgebrauch wird als Mitteilung
erhoffter
Öffentlichkeit gedeutet. Die Möglichkeit zu expressivem Kleidungsgebrauch
steht Frauen weit mehr offen als Männern, die ihn im allgemeinen nur
zu realisieren wagen, wenn sie der Unterhaltungsszene angehören.
Bilder als Elemente kommunikativen Handelns
in den Fernsehnachrichten
Lutz Huth, Linden-Leihgestern
Zusammenfassung. Um eine umfassende Inhaltsanalyse des verbalen und
des
visuellen Materials in multimedialen Texten vorzubereiten, diskutiert
der Autor
rezipientenorientierte Prinzipien zur Klassifikation der Funktionen
von Bildern
in den Fernsehnachrichten. In diesem Zusammenhang prüft er die
Unterscheidungen von auditiven vs. visuellen Sinnesmodalitäten, von
ikonischem vs. digitalem Zeichentyp, von referentieller vs. emotiver Funktionsweise
sowie von inhaltlicher vs. funktionaler Äquivalenz zwischen Bildern
und stellt die These auf, daß für die Zeichenhaftigkeit von
Bildern neben anderen Faktoren der
Rezeptionssituation deren Einordnung auf dem Kontinuum ikonisch/digital
durch
den Rezipienten ausschlaggebend ist. In den Fernsehnachrichten werden
folgende Funktionen des visuellen Materials unterschieden: 1. Rollenzuweisung
für das abgebildete Medienpersonal, 2. Angabe des Textthemas, 3. Strukturierung
des Textes, 4. Identifizierung des Gegenstandes verbaler Aussagen, 5. Demonstration
des Inhalts verbaler Aussagen, 6. Erläuterung der verbalen Aussagen,
7. selbständige Darstellung eigener Aussagen, 8. Motivation von Interesse
beim Rezipienten, 9. Dramatisierung der verbal dargestellten Ereignisse,
10. Vermittlung des Eindrucks der Authentizität, 11. Verfremdung der
verbalen Mitteilungen, 12. Thematisierung des visuellen Kodes (metakommunikative
Funktion). Abschließend wird nach intersubjektiv feststellbaren Indikatoren
für das Vorliegen dieser Funktionen im Einzelfall gefragt und das
gleichzeitige Vorliegen mehrerer Funktionen problematisiert.
Terminologiediskussion
Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation
Zu Geschichte und Gebrauch der Begriffe "verbal" und
"nonverbal", "Interaktion"
und "Kommunikation", "Publikum" und "Öffentlichkeit",
"Medium", "Massenmedium"
und "multimedial"
Roland Posner, Technische Universität Berlin
Zusammenfassung. Der Beitrag erörtert Geschichte und Gebrauch von
Schlüsselbegriffen der deskriptiven Semiotik zur Beschreibung
der nonverbalen
Kommunikation und der Kommunikationsmedien. Er entwickelt einen
Definitionsvorschlag für nonverbale Zeichen und klärt die
begrifflichen
Beziehungen zwischen "verbalen" und "nonverbalen", "sprachlichen",
"parasprachlichen", "außersprachlichen" und "nichtsprachlichen"
Verhaltensweisen sowie zwischen "linguistischen", "paralinguistischen",
"außerlinguistischen" und "nichtlinguistischen" Beschreibungen.
Aufgrund von
Beispielanalysen wird gezeigt, unter welchen Bedingungen man in verbalem
und
nonverbalem, sprachlichem und nichtsprachlichem Verhalten von "Interaktion"
und "Kommunikation" sprechen kann. Im Zentrum der Untersuchung steht die
Rolle des Kommunikationsbegriffs bei der Definition von "Publikum", "Öffentlichkeit",
"öffentliche Meinung" und "Massenkommunikation". Abschließend
wird die gängige Verwendung der Termini "Medium", "Massenmedium" und
"multimedial" diskutiert und die Frage beantwortet, unter welchen Bedingungen
öffentliche Kommunikation als Massenkommunikation und nonverbale Kommunikation
als multimediale Kommunikation gelten kann.