Martin Krampen
Einleitung
Emanuele Martino
Referenz und Invarianz in der Fotografie
Maria Nowakowska
Erkennungspotenz. Grundlagen einer Theorie der Grapheme
Donald Preziosi
Frühe Stadtpläne.
Semiotische Aspekte der Darstellung von Architektur
John M. Kennedy
Syllepse und Katachrese in Bildern
Hartmut Espe
Konnotationen als Ergebnisse fotografischer Techniken
Klaus Peter Walcher
Für eine Angleichung grafischer Darstellungen
an kognitive Strukturen
Preisverleihung
Die Preisfrage der DGS 1984:
Wie und warum verändern sich Zeichensysteme?
Erika Fischer-Lichte
Über die Angemessenheit von Zeichen
Karin Böhme-Dürr
Zeichenwandel und Bewußtseinswandel 91
Literaturbericht
José Augusto Seabra
Semiotik in Portugal
Einleitung
Leistung und Grenzen der Grafik
Martin Krampen, Hochschule der Künste Berlin
Zusammenfassung. Grafik wird durch die acht Variablen operational definiert,
die benutzt werden können, um auf einer Fläche verschiedenen
Ausdruck für
verschiedene Inhalte zu erzeugen. Es wird zwischen ikonischer und symbolischer
Grafik unterschieden. Ikonizität in der Grafik ist effektiv, weil
gewisse
Eigenschaften von Objekten im Prozeß der projektiven oder topologischen
Transformation auf der zweidimensionalen Fläche invariant bleiben.
Diese
Invarianz in ikonischen Zeichen ermöglicht ihren Einsatz in Referenzhandlungen.
Aber auch symbolische Grafik kann in Referenzhandlungen eingesetzt
werden,
besonders in der Notation von Prozessen, die von Natur aus ephemer
sind. Grafik leistet ebenso einen Beitrag zur konnotativen und metaphorischen
Referenz. Die Grenzen der Grafik und des gesprochenen Wortes sind der Grund
für das Bestehen der beiden Kanäle, die sich in ihrer Wirkung
gegenseitig unterstützen.
Referenz und Invarianz in der Fotografie
Emanuele Martino, Universität Palermo
Zusammenfassung. Bei der projektiven Transformation eines dreidimensionalen
Objekts auf die fotografische Fläche bleiben bestimmte objektattribute
unverändert. Diese Invarianz ist eine notwendige Bedingung für
das Erkennen
eines Objekts in der Fotografie und liefert die Grundlage für
Denotation und
Designation, d.h. für Referenz. Als zweite notwendige Bedingung
für die
Objektreferenz wird verlangt, daß die in einer Fotografie wahrgenommene
Konfiguration nicht zu sehr von dem Normalbild abweicht, das sich bei
wiederholter Betrachtung eines Objekts im Betrachter bildet.
Erkennungspotenz: Grundlagen einer Theorie
der Grapheme
Maria Nowakowska, Iona College, New Rochelle, N.Y.
Zusammenfassung. Jeder Teil eines komplexen grafischen Zeichens hat
ein
spezifisches Gewicht im Prozeß der Zeichenerkennung. Der Beitrag
zeigt, daß
dieses Gewicht sich auf der Grundlage der Theorie der Wählerkoalitionen
(Shapley & Shubik) beschreiben läßt. Die Theorie wird
erweitert, um auch der
Erkennung von Zeichen gerecht zu werden, deren Teile entsprechend verschiedenen
Parametern deformiert sind. Zum Schluß werden einige Konsequenzen
aus der
Theorie für die Klassifikation von Kunststilen aufgezeigt.
Frühe Stadtpläne. Semiotische
Aspekte der Darstellung von Architektur
Donald Preziosi, State University of New York, Binghamton
Zusammenfassung. Anhand eines Vergleiches frühsteinzeitlicher (Çatal
Hüyük) und römischer Darstellungen von städtischen
Gebäudestrukturen wird aufgezeigt, daß Architekturpläne
nicht ausschließlich als ikonische Zeichen anzusehen sind. Sie sind
Zeichenmatrizen, deren Bestandteile teils in einer Beziehung faktischer
Ähnlichkeit, faktischer Kontiguität, zugewiesener Ähnlichkeit
und zugewiesener Kontiguität zu ihren Objekten stehen. Architekturpläne
konstituieren kein eigenes Zeichensystem, sondern müssen funktional
definiert werden als Bestandteile der visuellen Kommunikation, die in verschiedenen
Kontexten, Kulturen, Zeiten und Orten jeweils eine verschiedene Rolle spielen
können.
Syllepse und Katachrese in Bildern
John M. Kennedy, Scarborough College, Ontario
Zusammenfassung. Syllepse und Katachrese im Sinne der Definition von
Fowler (1965) lassen sich nicht nur im verbalen Bereich nachweisen. Daher
muß eine
allgemeine Theorie der Semiotik rhetorische Figuren nicht nur als "Redefiguren"
sondern als "Darstellungsfiguren" behandeln. In diesem Aufsatz werden
direkte
und indirekte Fälle besprochen. Berücksichtigt werden auch
metaphorische Bilder aus der Produktion blinder Personen.
Konnotationen als Ergebnisse fotografischer
Techniken
Hartmut Espe, Hochschule der Künste Berlin
Zusammenfassung. Fotografien werden als Paradebeispiele analog kodierter
Surrogate betrachtet; dies führt leicht zu der Annahme, sie enthielten
Nachrichten ohne "richtigen" Kode. In zwei Experimenten wird gezeigt,
daß
fotografische Techniken (ausgewählt wurden Kamerawinkel und Belichtungszeit
bei der Vergrößerung) deutliche Modifikationen der konnotativen
Bedeutung von Fotografien hervorrufen können. Da ein Fotograf immer
Entscheidungen über den Einsatz fotografischer Mittel treffen muß,
sind Fotografien auch immer als kodierte Nachrichten zu betrachten.
Für eine Angleichung grafischer Darstellungen
an kognitive Strukturen
Klaus Peter Walcher, Universität Oldenburg
Zusammenfassung. Der Beitrag befaßt sich mit den Funktionen der
Veranschaulichung in ihrem Verhältnis zum erkennenden Erfassen.
Zur
Herausarbeitung der Problematik der Angleichung grafischer Darstellungsmittel
an kognitive Strukturen wird ein Modell vorgelegt, das beide Bereiche
umfaßt
und die Beziehungen zwischen ihnen beschreibt.