Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

„Sprache, Schriftsprache, Plansprache“
Jahr: 1983
Band:  5
Heft: 4

 
Roland Posner 
Einleitung

Alicja Sakaguchi
Plansprachen zwischen Spontaneität und Standardisierung. 
Semiotik und Interlinguistik 

Helmut Lüdtke 
Sprache und Schrift. 
Sieben Thesen

Claus W. Wallesch
Schreiben, seine Anatomie und Physiologie

William C. Watt
Grade der Systemhaftigkeit. 
Zur Homogenität der Alphabetschrift 

Diskussion: Systemhaftigkeit 
Roland Posner 
Kodes als Zeichen 

Wolfgang Wenning
Grade visueller Systemhaftigkeit 

Wulf Rehder
Systemhaftigkeit und Schriftrichtung 

Holger van den Boom
Systemhaftigkeit und Kodierung 

Reinhard Köhler und Gabriel Altmann
Systemtheorie und Semiotik 

Einlage 
K. Lothar Hildebrand 
Claude Chappe und die Lufttelegraphie 

Erhebung 
Annemarie Lange-Seidl 
Semiotik an den Universitäten der Bundesrepublik 
Deutschland, Österreichs und der Schweiz 
 


Einleitung 
Sprache - Schriftsprache - Plansprache

Roland Posner, Technische Universität Berlin 

Zusammenfassung. Der Beitrag führt in das Verhältnis von Sprache Schriftsprache und Planspache zueinander ein, indem er die Schwierigkeiten behandelt, die sich den Versuchen entgegenstellen den Aufwand für die sprachliche Kommunikation zu senken. Ausgehend von Beispielen aus der Geschichte der Zahldarstellung und der Verschriftung natürlicher Sprachen werden zwei Notationsprinzipien formuliert, die ein Höchstmaß an Zeichenökonomie gewährleisten. Abschließend wird die Frage der Wünschbarkeit einer künstlich normierten Weltsprache diskutiert. 
 


Plansprachen zwischen Spontaneität und Standardisierung. Semiotik und Interlinguistik

Alicja Sakaguchi, Universität Paderborn 

 Zusammenfassung. Die Interlinguistik studiert die Möglichkeiten einer 
Verbesserung der menschlichen Kommunikation durch Revision der in Gebrauch befindlichen Sprachsysteme. Der Beitrag definiert die Interlinguistik im Kontext von Semiotik und Linguistik und klassifiziert die verschiedenen 
Vorschläge für interlinguistische Systeme, die im Laufe der Geschichte gemacht 
worden sind. Er unterscheidet zwischen A-priori-Sprachen und 
A-posteriori-Sprachen sowie zwischen monosprachlichen Systemen, d. h. 
Vereinfachungen bestimmter natürlicher Sprachen, und polysprachlichen Systemen, d.h. Kombinationen von Teilsystemen mehrerer verschiedener natürlicher Sprachen. Rationalistische Systeme werden naturalistischen Systemen gegenübergestellt, und die Versuche zur Integration der bestehenden 
Plansprachen in ein umfassendes interlinguistisches System werden besprochen. 
Wenn eine Plansprache von einer heterogenen Gruppe von Menschen in Gebrauch genommen wird, tendiert sie zu spontanem Sprachwandel und damit zur Abweichung von der ursprünglichen Planung. Der Beitrag setzt sich mit diesem Problem auseinander und ordnet die diskutierten Typen interlinguistischer Systeme nach dem Grad ihrer Standardisierung bzw. nach der Spontaneität, die in ihnen zulässig ist. 
 


Sprache und Schrift: sieben Thesen 

Helmut Lüdtke, Universität Kiel 

Zusammenfassung. Der Aufsatz stellt sieben Thesen zur Diskussion, die den 
empirischen Charakter von Linguistik und Semiotik, den Status ihrer 
Untersuchungsgegenstände, deren biologische Fundierung und deren Verhältnis zu den Gegenständen anderer Disziplinen betreffen. Im Mittelpunkt steht der 
Unterschied zwischen Sprache und Schrift, der in Analogie gesetzt wird zu dem 
Unterschied zwischen Hand und Werkzeug. Es wird gezeigt, daß die Verkettung von Buchstaben zum geschriebenen Text ein irreführendes Modell für den Aufbau von Redetexten ist. Sprachwandel wird aufgefaßt als Übergang von einer koexistierenden Sprachvariante zur anderen im Rahmen eines 
System/Zeit-Kontinuums. 
 


Schreiben, seine Anatomie und Physiologie

 Claus W. Wallesch, Universität Freiburg 

Zusammenfassung. Der Aufsatz stellt die anatomischen Voraussetzungen und die physiologischen Vorgänge dar, die am Schreiben beteiligt sind. Wesentlich 
erscheint, daß die Erzeugung eines bestimmten Schriftbildes nicht an den 
Einsatz einer spezifischen Muskelgruppe gebunden ist. Daraus folgt die 
Notwendigkeit peripher-zentraler Regelkreise im Schreibprozeß. Im Gehirn ist 
die Schreibmotorik in Cortex, Basalganglien und Kleinhirn repräsentiert. Die 
Schreibbewegung kann nur durch gemeinsame Aktion dieser Hirnstrukturen zustande kommen. Das Phänomen konstanter Strukturen der Handschrift als Ausdruck "kinetischer Melodien" entzieht sich allerdings noch der neurophysiologischen Erklärung. 
 


Grade der Systemhaftigkeit. 
Zur Homogenität der Alphabetschrift 

William C. Watt, University of California, Irvine 

Zusammenfassung. Der Beitrag untersucht die Tatsache, daß eine Menge 
semiotischer Elemente dazu neigt, sich in Struktur und Funktion wie ein System 
zu verhalten. Da angenommen wird, daß die Systemhaftigkeit einer Menge auf ihre Homogenität zurückgeführt werden kann, werden Grade der Systemhaftigkeit auf der Grundlage von Homogenitätsmaßen definiert. Drei alternative Homogenitätskonzepte werden diskutiert: (1) Eine Menge ist um so homogener, je gleichmäßiger ihre Eigenschaften über die Elemente verteilt sind, (2) eine Menge ist um so homogener, je geringer im Durchschnitt die Zahl der 
Unterschiede zwischen den Elementen ist. (3) eine Menge ist um so homogener, je mehr die Zahl der Übereinstimmungen die Zahl der Unterschiede übertrifft. 
Während die ersten beiden Konzepte sich als unangemessen erweisen, wird das dritte akzeptiert und durch die engverwandten Maße der "Xi-Homogenität" und der "Zeta-Homogenität" expliziert. Die Ergebnisse dieser Überlegungen werden auf die Beschreibung von Homogenisierungsprozessen angewandt, die in der 
Entwicklung der Allgemeinen Modernen Römischen (AMR) Großbuchstaben aus den archaischen griechischen und phönizischen Buchstaben stattgefunden haben. Dabei zeigt sich, daß es neben der Homogenisierung auch noch andere 
Entwicklungsfaktoren gibt, die auf ein semiotisches System einwirken: Trägheit, 
Erleichterung und Heterogenisierung. 
 
 



 
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