Roland Posner
Ikonismus in den natürlichen Sprachen
Jürgen Pesot
Ikonismus in der Phonologie
Willi Mayerthaler
Ikonismus in der Morphologie
John R. Ross
Ikonismus in der Phraseologie. Der Ton macht die Bedeutung
Roland Posner
Ikonismus in der Syntax.
Zur natürlichen Stellung der Attribute
Einlage
Jürgen Pesot
Phonetische Abbildungen
Projekte
Roland Posner
Handbuch der Semiotik
Martin Krampen, Hartmut Espe und Klaus Schreiber
Zur Mehrdimensionalität ikonischer Zeichen.
Varianzanalytische Untersuchungen
Literaturberichte
Monica Rector
Semiotik in Lateinamerika
Günter Bentele
Filmsemiotik in der Bundesrepublik Deutschland.
Entwicklung und gegenwärtige Positionen
Erhebung
Annemarie Lange-Seidl
Semiotik in den Universitäten der Bundesrepublik Deutschland
Ikonismus in der Phonologie
Jürgen Pesot, Université du Québec à
Rimouski
Zusammenfassung. Der Aufsatz bietet einen neuen, semiotisch fundierten
Ansatz zur Behandlung einer altbekannten Reihe von Daten, die heute als
Beispiele für
Ikonismus in den natürlichen Sprachen untersucht werden. Von einem
phonologischen Ikon spricht man, wenn eine Lautform dem durch sie "bezeichneten
Gegenstand" (Objekt) ähnlich ist. Ähnlichkeit dieser Art erscheint
aus linguistischer Sicht als anomale Beschränkung und tritt meist
zusammen mit
anderen Anomalien auf, wie z.B. paradigmatischer und syntagmatischer
Einfachheit, die semantische Einfachheit spiegelt. Als Beispiele werden
die
lexikalischen Reduplikationen im Hindi analysiert. Außerdem werden
Begriffe wie "Onomato-Poetik", "Lautspiel" und "Lautsymbolik" in bezug
auf ihre Beziehung zum Ikonismus diskutiert. Zum Schluß formuliert
der Autor, was er für die untere Schwelle des phonologischen Ikonismus
hält: die image-indexhafte Lautverzerrung in nichtsprachlicher Tonbildung
und Artikulation.
Ikonismus in der Morphologie
Willi Mayerthaler, Universität Klagenfurt
Zusammenfassung. Der Aufsatz behandelt Ähnlichkeiten zwischen sprachlicher
Kodierung und zu kodierenden Objektkategorien. Er argumentiert, daß
das
sprachliche Zeichen unabhängig von seiner lexikalischen Arbitrarität
im
morphologischen Bereich meist ikonisch konstruiert wird. Die sprachlich
kodierten Objektkategorien werden aus den Eigenschaften der Sprechsituation
hergeleitet. Ein Vergleich morphologischer Kodierungen in einer Vielzahl
von
Sprachen ergibt, daß nichtikonische Konstruktionen meist durch
Entlehnungen
oder phonologischen Wandel bedingt sind und zur Instabilität neigen.
Ikonismus in der Phraseologie
Der Ton macht die Bedeutung
John R. Ross, Massachusetts Institute of Technology
Zusammenfassung. Der Aufsatz ist ein Beitrag zur Beantwortung der zentralen
linguistischen Frage: Welche Beziehung besteht zwischen der Struktur
einer
Sprache und der Weltsicht ihrer Benutzer? Speziell: Nach welchen Regeln
wird
bestimmt, welches Wort in Erstarrungen, d.h. in Wendungen mit feststehender
Wortfolge wie warm und kalt oder Gin-tonic, als Erstglied auftritt?
Das
Grundprinzip für Erstarrungen liegt in folgender Metapher: Je
mehr Ton, desto
mehr Bedeutung; semantische Unmarkiertheit korreliert mit phonetischer
Unhörbarkeit. Erstarrungen beginnen also mit den semantisch weniger
markierten und/oder phonetisch weniger aufwendigen Wörtern. Wie Daten
aus 93 Sprachen zeigen, wird dieses Prinzip besonders gut durch Paare kurzer
Wörter und durch elementare Bedeutungsunterschiede verwirklicht. Diese
Einschränkung formuliert der Autor in drei Prinzipien sprachlicher
Kurzsichtigkeit.
Ikonismus in der Syntax
Zur natürlichen Stellung der Attribute
Roland Posner, Technische Universität Berlin
Zusammenfassung. Ikonische Zeichenrelationen sind einerseits im Sprachsystem
kodiert und werden andererseits im Sprachgebrauch häufig produziert.
Zur
Beschreibung des Sprachgebrauchs wird in der vorliegenden Untersuchung
eine
Regel ikonischer Textinterpretation formuliert. Dann wird gefragt,
ob auch die
Beschränkungen für die Reihenfolge der Attribute in Nominalphrasen
of ikonische Textinterpretation zurückzuführen sind. Das ist
nicht der Fall. Diese
Beschränkungen sind Teil des Sprachsystems; sie sind primär
pragmatisch
motiviert, werden aber sekundär durch die ikonischen Beziehungen
zwischen
Substantivartigkeit und Substantivnähe und zwischen Substanzartigkeit
und
Substantivnähe gestützt. Ikonismus in der Syntax erweist
sich damit als ein
Phänomen sekundärer Motivierung.