Christoph Hubig
Einige Bemerkungen zum Thema des vorliegenden Heftes
Hans Werner Arndt
Semiotik und Sprachtheorie im klassischen Rationalismus der
deutschen Aufklärung. Eine historische Einordnung
Hans Poser
Signum, notio und idea. Elemente der
Leibnizschen Zeichentheorie
Hans Werner Arndt
Die Semiotik Christian Wolffs als Propädeutik der
ars characteristica combinatoria und der ars inveniendi
Christoph Hubig
Die Zeichentheorie Johann Heinrich Lamberts:
Semiotik als philosophische Propädeutik
Ursula Franke
Die Semiotik als Abschluß der Ästhetik
A.G. Baumgartens Bestimmung der Semiotik als ästhetische
Propädeutik
Christine Hardenberg
G.E. Lessings Semiotik als Propädeutik einer Kunsttheorie
Einlage
Hans Wald
Wissenschaftsprosa
Projekt
Jean Jacques Nattiez
Zum Problem der Zeichenklassifikation.
Semiologie der Semiologie
Literaturbericht
Vilmos Voigt
Semiotik in Osteuropa II: DDR, Rumänien, Ungarn
Signum, notio und idea
Elemente der Leibnizschen Zeichentheorie
Hans Poser, Technische Universität Berlin
Zusammenfassung. Leibniz' Ansatz zur Erstellung einer "Characteristica
universalis" - einer universalen Zeichenkunst als notwendigem Instrument
menschlicher Erkenntnis - hat seine Wurzeln im cartesianischen Methodenideal
einer Mathesis universalis sowie in der Ars magna als Universalsprache
aus
einfachen Begriffen und deren Kombinationen. Signum, der Zeichenträger,
drückt eine notio (Begriff) auf der Basis einer zugrundeliegenden
idea von der res (Sache) aus. Vorausgesetzt wird dabei eine Isomorphie
zwischen logischem und ontologischem Bereich als Bedingung der Möglichkeit
von Denotation.
Menschlichem Denken bleibt jedoch der Zugang zu einer vollkommenen
Charakteristik versperrt; eine Vielzahl von Zeichensystemen -
"Bereichscharakteristiken" - treten an die Stelle der Verwirklichung
jenes
Ideals. Auch die Umgangssprache kann unter diesen Bedingungen in eine
lingua
rationis überführt werden; ihre Bedeutung besteht jedoch
unabhängig hiervon in
der von ihr geleisteten Zuordnung von Zeichen und Bedeutung.
Die Semiotik Christian Wolffs als Propädeutik
der ars characteristica
combinatoria und der ars inveniendi
Hans Werner Arndt, Universität Mannheim
Zusammenfassung. Für Wolffs Theorie der Semiotik ist die These
zentral, daß
eine semiotisch exakt inventarisierte Darstellung der philosophischen
Wissenschaften Voraussetzung zur Ausbildung einer Erfindungskunst sei.
Unter
dem Gesichtspunkt, daß Begriffe, Zeichen und Dinge in einem eineindeutigen
Verhältnis stehen müssen, ebenso ihre Unterschiede und Relationen,
entwickelt
Wolff eine Begrifflichkeit, deren Definitionskunst ein wahres Organon
für die
Philosophie abgibt. Sie folgt dem Ideal einer Präzisierung ursprünglich
natursprachlicher Begriffe, die durch diese ursprüngliche Gebundenheit
an die
natürliche Sprache auch unabhängig vom theoretischen Kontext
lexikographisch
verwendbar werden. Werden hierbei - bis zu Daries hin - die einer Analysis
notionum zugänglichen Bewußtseinsinhalte vorausgesetzt,
die lediglich durch
Zeichen übermittelt werden, so werden später Sprache und
Zeichen als Medien
betrachtet, die eigene Wirkungen hervorrufen können.
Die Zeichentheorie Johann Heinrich Lamberts:
Semiotik als philosophische Propädeutik
Christoph Hubig, Technische Universität Berlin
Zusammenfassung. Ausgehend von Lamberts Bestimmung der Semiotik als
"Werkzeug" wird zunächst die Funktion der Zeichen behandelt: Erinnerung
der Impressionen und Darstellung der Beziehungen zwischen ihnen. Dies geschieht
unter einem doppelten Gesichtspunkt: a) analytisch: Es werden die Einflüsse
der
Zeichenkonstitution auf die Wahrheit der Erkenntnis betrachtet, wobei
die durch den "Thyrannen" Sprachgebrauch hervorgerufenen Irrtümer
ins Auge fallen, b)
unter dem Ideal der Mathesis werden normativ Kriterien für ein
klares und
deutliches Zeichensystem entwickelt. Über die Begründungsproblematik
einer
solchen Unternehmung gelangt Lambert zu einer Rehabilitierung des
Sprachgebrauchs als Instanz, der Nominaldefinitionen nicht zuwiderlaufen
dürfen. Die Erschließung dieser Dimension ist Aufgabe der
Hermeneutik.
Die Semiotik als Abschluß der Ästhetik
A.G. Baumgartens Bestimmung der Semiotik als ästhetische
Propädeutik
Ursula Franke, Universität Münster
Zusammenfassung. Baumgarten hat im Zusammenhang seines Versuchs, das
poetische Denken und seinen Ausdruck philosophisch zu begründen, Ansätze
zu einer Zeichentheorie entwickelt, die durch eine eigentümlich eklektische
Verbindung der Leibniz-Wolffschen Schulphilosophie mit der rhetorisch-poetologischen
Tradition geprägt sind. Seine Behandlung findet das poetische Denken
im weiteren Rahmen der von ihm begründeten Ästhetik, der er bekanntlich
als erster den Rang einer eigenständigen philosophischen Disziplin
im Sinne eines Organons der Sinnlichkeit zuweist. Die Semiotik erhält
als Teil der Ästhetik im Kontext der instrumentalen Funktion der Ästhetik
auch ihrerseits die Bestimmung einer ästhetischen Propädeutik,
die aus diesem Problemhorizont gesehen und verstanden werden muß.
G. E. Lessings Semiotik als Propädeutik
einer Kunsttheorie
Christine Hardenberg, Universität des Saarlandes
Zusammenfassung. Das zentrale Problem im "Laokoon" ist die Abgrenzung
zwischen Prosa, Poesie und bildender Kunst mittels der Klassifikation ihrer
Zeichen. Der ersten Klassifikation liegt ein Zeichenbegriff zugrunde, der
Zeichen und Gegenstände einander direkt qua Ähnlichkeit zuordnet.
Diese Klassifikation erlaubt jedoch keine Unterscheidung zwischen Nachahmung
und bloßer Darstellung. Daher unterscheidet Lessing in einer zweiten
Klassifikation zwischen Zeichen und Begriff oder Vorstellung: Die Zeichen
werden hier zu Vehikeln der Vorstellung von Gegenständen. Unter Rekurs
auf den Prozeß der Wahrnehmung und Vorstellungsbildung kann Lessing
eine Klassifikation etablieren, die die Unterscheidung zwischen nachahmender
und bloß darstellender Zeichenverwendung ermöglicht, und die
es erlaubt, Schlüsse hinsichtlich der Gegenstände der Künste
zu ziehen.