Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

„Semiotik als philosophische Propädeutik: Die Zeichentheorie der deutschen Aufkärung“
Jahr: 1979
Band:  1
Heft: 4

 
Christoph Hubig
Einige Bemerkungen zum Thema des vorliegenden Heftes 

Hans Werner Arndt
Semiotik und Sprachtheorie im klassischen Rationalismus der 
deutschen Aufklärung. Eine historische Einordnung 

Hans Poser 
Signum, notio und idea. Elemente der 
Leibnizschen Zeichentheorie

Hans Werner Arndt 
Die Semiotik Christian Wolffs als Propädeutik der 
ars characteristica combinatoria und der ars inveniendi 

Christoph Hubig
Die Zeichentheorie Johann Heinrich Lamberts: 
Semiotik als philosophische Propädeutik 

Ursula Franke
Die Semiotik als Abschluß der Ästhetik 
A.G. Baumgartens Bestimmung der Semiotik als ästhetische Propädeutik

Christine Hardenberg
G.E. Lessings Semiotik als Propädeutik einer Kunsttheorie

Einlage 
Hans Wald
Wissenschaftsprosa 

Projekt 
Jean Jacques Nattiez 
Zum Problem der Zeichenklassifikation. 
Semiologie der Semiologie 

Literaturbericht 
Vilmos Voigt 
Semiotik in Osteuropa II: DDR, Rumänien, Ungarn 


Signum, notio und idea 
Elemente der Leibnizschen Zeichentheorie 

Hans Poser, Technische Universität Berlin 

Zusammenfassung. Leibniz' Ansatz zur Erstellung einer "Characteristica 
universalis" - einer universalen Zeichenkunst als notwendigem Instrument 
menschlicher Erkenntnis - hat seine Wurzeln im cartesianischen Methodenideal 
einer Mathesis universalis sowie in der Ars magna als Universalsprache aus 
einfachen Begriffen und deren Kombinationen. Signum, der Zeichenträger, drückt eine notio (Begriff) auf der Basis einer zugrundeliegenden idea von der res (Sache) aus. Vorausgesetzt wird dabei eine Isomorphie zwischen logischem und ontologischem Bereich als Bedingung der Möglichkeit von Denotation. 
Menschlichem Denken bleibt jedoch der Zugang zu einer vollkommenen 
Charakteristik versperrt; eine Vielzahl von Zeichensystemen - 
"Bereichscharakteristiken" - treten an die Stelle der Verwirklichung jenes 
Ideals. Auch die Umgangssprache kann unter diesen Bedingungen in eine lingua 
rationis überführt werden; ihre Bedeutung besteht jedoch unabhängig hiervon in 
der von ihr geleisteten Zuordnung von Zeichen und Bedeutung. 
 


Die Semiotik Christian Wolffs als Propädeutik der ars characteristica 
combinatoria und der ars inveniendi 

Hans Werner Arndt, Universität Mannheim 

Zusammenfassung. Für Wolffs Theorie der Semiotik ist die These zentral, daß 
eine semiotisch exakt inventarisierte Darstellung der philosophischen 
Wissenschaften Voraussetzung zur Ausbildung einer Erfindungskunst sei. Unter 
dem Gesichtspunkt, daß Begriffe, Zeichen und Dinge in einem eineindeutigen 
Verhältnis stehen müssen, ebenso ihre Unterschiede und Relationen, entwickelt 
Wolff eine Begrifflichkeit, deren Definitionskunst ein wahres Organon für die 
Philosophie abgibt. Sie folgt dem Ideal einer Präzisierung ursprünglich 
natursprachlicher Begriffe, die durch diese ursprüngliche Gebundenheit an die 
natürliche Sprache auch unabhängig vom theoretischen Kontext lexikographisch 
verwendbar werden. Werden hierbei - bis zu Daries hin - die einer Analysis 
notionum zugänglichen Bewußtseinsinhalte vorausgesetzt, die lediglich durch 
Zeichen übermittelt werden, so werden später Sprache und Zeichen als Medien 
betrachtet, die eigene Wirkungen hervorrufen können. 
 


Die Zeichentheorie Johann Heinrich Lamberts: Semiotik als philosophische Propädeutik

Christoph Hubig, Technische Universität Berlin 

Zusammenfassung. Ausgehend von Lamberts Bestimmung der Semiotik als "Werkzeug" wird zunächst die Funktion der Zeichen behandelt: Erinnerung der Impressionen und Darstellung der Beziehungen zwischen ihnen. Dies geschieht unter einem doppelten Gesichtspunkt: a) analytisch: Es werden die Einflüsse der 
Zeichenkonstitution auf die Wahrheit der Erkenntnis betrachtet, wobei die durch den "Thyrannen" Sprachgebrauch hervorgerufenen Irrtümer ins Auge fallen, b) 
unter dem Ideal der Mathesis werden normativ Kriterien für ein klares und 
deutliches Zeichensystem entwickelt. Über die Begründungsproblematik einer 
solchen Unternehmung gelangt Lambert zu einer Rehabilitierung des 
Sprachgebrauchs als Instanz, der Nominaldefinitionen nicht zuwiderlaufen 
dürfen. Die Erschließung dieser Dimension ist Aufgabe der Hermeneutik. 
 


Die Semiotik als Abschluß der Ästhetik
A.G. Baumgartens Bestimmung der Semiotik als ästhetische Propädeutik

Ursula Franke, Universität Münster 

Zusammenfassung. Baumgarten hat im Zusammenhang seines Versuchs, das poetische Denken und seinen Ausdruck philosophisch zu begründen, Ansätze zu einer Zeichentheorie entwickelt, die durch eine eigentümlich eklektische Verbindung der Leibniz-Wolffschen Schulphilosophie mit der rhetorisch-poetologischen Tradition geprägt sind. Seine Behandlung findet das poetische Denken im weiteren Rahmen der von ihm begründeten Ästhetik, der er bekanntlich als erster den Rang einer eigenständigen philosophischen Disziplin im Sinne eines Organons der Sinnlichkeit zuweist. Die Semiotik erhält als Teil der Ästhetik im Kontext der instrumentalen Funktion der Ästhetik auch ihrerseits die Bestimmung einer ästhetischen Propädeutik, die aus diesem Problemhorizont gesehen und verstanden werden muß. 
 


G. E. Lessings Semiotik als Propädeutik einer Kunsttheorie

Christine Hardenberg, Universität des Saarlandes 

Zusammenfassung. Das zentrale Problem im "Laokoon" ist die Abgrenzung zwischen Prosa, Poesie und bildender Kunst mittels der Klassifikation ihrer Zeichen. Der ersten Klassifikation liegt ein Zeichenbegriff zugrunde, der Zeichen und Gegenstände einander direkt qua Ähnlichkeit zuordnet. Diese Klassifikation erlaubt jedoch keine Unterscheidung zwischen Nachahmung und bloßer Darstellung. Daher unterscheidet Lessing in einer zweiten Klassifikation zwischen Zeichen und Begriff oder Vorstellung: Die Zeichen werden hier zu Vehikeln der Vorstellung von Gegenständen. Unter Rekurs auf den Prozeß der Wahrnehmung und Vorstellungsbildung kann Lessing eine Klassifikation etablieren, die die Unterscheidung zwischen nachahmender und bloß darstellender Zeichenverwendung ermöglicht, und die es erlaubt, Schlüsse hinsichtlich der Gegenstände der Künste zu ziehen. 
 
 

 


 
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