Klaus Oehler
Idee und Grundriß der Peirceschen Semiotik
Martin Krampen
De Saussure und die Entwicklung der Semiologie
Thure von Uexküll
Die Zeichenlehre Jacob von Uexkülls
Roland Posner
Charles Morris und die verhaltenstheoretische
Grundlegung der Semiotik
Hermann Kalkofen
Die Einteilung der Semiotik bei Georg Klaus
Literaturbericht
Achim Eschbach und Wendelin Rader
Semiotik in der Bundesrepublik Deutschland.
I. Ansätze zur theoretischen Semiotik
Karl Eimermacher und Rolf Kloepfer
Semiotik in der Bundesrepublik Deutschland
II. Tendenzen deskriptiver Semiotik
Idee und Grundriß der Peirceschen
Semiotik
Klaus Oehler, Universität Hamburg
Zusammenfassung. Der Aufsatz zerfällt in drei Abschnitte. Die Einleitung
bestimmt Peirces Stellenwert in der Geschichte der Semiotik. Teil 1
skizziert
die Stadien der semiotischen Theorienbildung bei Peirce, angefangen
von den
Harvard Lectures des Jahres 1865 über "Die Logik der Wissenschaft"
bis hin zu dem Briefwechsel zwischen Peirce und Lady Welby, der von 1903
bis 1911 dauerte. In Teil 2 werden die Grundzüge der Peirceschen Semiotik
systematisch dargestellt. Teil 3 beschreibt die grundlegende und universelle
Rolle, die der
Semiotik als "allgemeinster aller Wissenschaften" nach Peirce zukommt,
und
bestimmt ihren Wert für eine neue Erkenntnistheorie.
De Saussure und die Entwicklung der Semiologie
Martin Krampen, Hochschule der Künste Berlin
Zusammenfassung. Aus de Saussures Äußerungen zur allgemeinen
Sprachwissenschaft, die er als untergeordneten Bestandteil einer umfassenden
"Semiologie" betrachtete, lassen sich semiotische Prinzipien für
eine
allgemeine Zeichen- und Bedeutungslehre ableiten. Zu diesen Prinzipien
gehört,
daß Objekte erst aufgrund ihrer Oppositionen in Klassifikationssystemen
kognitiv konstituiert werden, daß solche Klassifikationen jeweils
aus der
Perspektive einer bestimmten menschlichen Praxis vorgenommen werden
und daß zwei aufgrund einer Praxis koordinierte Klassifikationssysteme
eine
"semiotische Struktur" bilden. Da Konstitution von Objekten und Bildung
semiotischer Strukturen an menschliche Praxis gebunden sind, erweisen
sich
Zeichenprozesse als gesellschaftlich und historisch determiniert.
Die Zeichenlehre Jacob von Uexkülls
Thure von Uexküll, Universität Ulm
Zusammenfassung. J. von Uexküll hat als Grundlage seiner Umweltlehre
eine von anderen semiotischen Theorien unabhängige allgemeine Zeichentheorie
aufgebaut. Auf der Basis der Kantschen Kategorienlehre entwickelt er den
Aufbau der menschlichen Erscheinungswelt aus elementaren Ordnungszeichen
(Lokal-, Richtungs-, Wirk- und Zeitzeichen) und Inhaltszeichen (Zellreaktionen
auf Farben, Töne, Gerüche usw.). In den Funktionskreisen der
Lebewesen spielen die Rezeptoren die Rolle von "Empfängern", welche
Zeichen nach artspezifischen Kodes verarbeiten. Die Reizquellen wirken
als "Sender", die von außen (vom "Nicht-Selbst") die vom "Selbst"
als Merkzeichen registrierten Zeichen aussenden, und die dann wiederum
durch vom "Selbst" ausgehende Wirkzeichen verändert werden.
Charles Morris und die verhaltenstheoretische
Grundlegung der Semiotik
Roland Posner, Technische Universität Berlin
Zusammenfassung. Handeln ist für Morris undenkbar ohne Zeichenprozesse
und Wertvorstellungen. Er untersucht die zugrunde liegenden Zeichen- und
Wertsysteme auf der Basis der Meadschen Verhaltensanalyse und führt
die
Semiotik ein als Systematisierung der Ansätze des Pragmatismus,
Empirismus und logischen Positivismus. Zeichenprozesse und Zeichensysteme
sind dementsprechend unter pragmatischem, semantischem und syntaktischem
Aspekt zu beschreiben. Keiner dieser Aspekte erlaubt aber die Herauslösung
des Zeichenverhaltens aus dem funktionalen Zusammenhang des Handelns. Daher
können die von Mead postulierten Handlungsphasen der Orientierung,
Bearbeitung und Erfüllung zum Leitfaden für die Definition von
Dimensionen der Bezeichnung und des Zeichengebrauchs werden. Die Entwicklung
des Zeichen- und Wertverhaltens von der impulsgesteuerten Rezeption einfacher
Signale bis hin zur zweckgerichteten Produktion komplexer Symbole ermöglicht
die Antizipation eigener und fremder Handlungen und damit die Entstehung
von Bewußtsein, Freiheit und Verantwortung. Doch zielt die Morrissche
Semiotik nicht etwa auf eine präskriptive Grammatik und eine normative
Ethik ab, sondern auf die verhaltenstheoretische Fundierung aller Grammatik
und Ethik im Sinne eines "objektiven Relativismus".
Die Einteilung der Semiotik bei Georg
Klaus
Hermann Kalkofen, Institut für den Wissenschaftlichen Film,
Göttingen
Zusammenfassung. Die Semiotik von Klaus basiert auf einer kritischen
Verarbeitung der Morrisschen Zeichentheorie. Aus ihr werden die für
den
relationalen Zeichenbegriff grundlegenden Elemente (materielles) Objekt
O,
sprachliches Zeichen Z, gedankliches Abbild A und Menschen M gewonnen.
Ihren spezifischen Charakter erhält die Klaussche Semiotik durch die
dialektisch-materialistische Interpretation der Beziehung zwischen
Objekt und
gedanklichem Abbild. Das führt dazu, daß über die Untersuchung
der
syntaktischen, semantischen und pragmatischen Zeichenrelation hinaus
die
Untersuchung der Beziehung ZO in der Sigmatik postuliert wird. Aus
der rein
sprachlichen Interpretation des Zeichens und aus seiner Beziehung zum
Abbild
ergeben sich spezielle Probleme.