Rolf Breuer
Einleitung
Andreas Bartels
Fiktion und Repräsentation
Rolf Breuer
Von der Normabweichung zur Fiktionalität:
Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks
Urs Meyer
Fiktionen in der Werbung:
Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’
Joachim Schröter
Das naturwissenschaftliche Weltbild: Wahrheit oder Fiktion?
Erhebung
Anne Sauer
Semiotisch relevante Lehre an den Hochschulen Deutschlands,
Österreichs und der Schweiz
Fiktion und Repräsentation
Andreas Bartels
Zusammenfassung. Fiktionale Repräsentationen, vor allem Repräsentationen,
die sich auf keinen realen Gegenstand beziehen, stellen eine Herausforderung
für jede Repräsentationstheorie dar, besonders für Ähnlichkeitstheorien
der Repräsentation. Nelson Goodman hat aus dem Umstand, dass Werke
der Kunst in der Regel fiktionale Repräsentationen sind, den Schluss
gezogen, dass der Repräsentationsbegriff durch den allgemeineren
Begriff der Exemplifikation ersetzt werden muss. Der Aufsatz versucht
zu zeigen, dass die Beziehung der Exemplifikation, entgegen Goodmans
Intention, mit dem Begriff der Repräsentation als strukturerhaltender
Abbildung im Einklang steht. Es wird gezeigt, dass auch wissenschaftliche
Modelle als Exemplifikationen einer (nicht notwendig denotierenden)
Struktur verstanden werden können. Abschließend werden diese
Überlegungen durch ein kognitionswissenschaftliches Beispiel untermauert.
Fiktionale Repräsentationen sind kein zwingendes Gegenbeispiel,
an dem eine strukturale Ähnlichkeitstheorie der Repräsentation
scheitern muss.
Von der Normabweichung zur Fiktionalität:
Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks
Rolf Breuer
Zusammenfassung. Im Folgenden möchte ich in groben Zügen
darlegen, wie sich die Auffassung von Literatur in den letzten Jahrhunderten
verändert hat, und speziell, was dabei die Kriterien der Abgrenzung
der Literatur von anderen Textsorten sind. Es wird sich zeigen, dass
die Differenzkriterien für diese Abgrenzung sehr verschiedenartig,
ja inkommensurabel sind. Frühere Theorien sehen den Unterschied
in der unterschiedlichen sprachlichen Form begründet, also in der
Natur der Sache und können „essentialistisch“ genannt
werden. Andere Theorien, oft auf den Roman bezogen, sehen den Unterschied
in dem unterschiedlichen Wirklichkeitsbezug begründet, also in
dem Verhältnis zwischen Sprache und Sache, was ein relationistisches
Kriterium ist. Und wieder andere sehen den Unterschied ins Belieben
des Betrachters gestellt, also in das Verhältnis des Rezipienten
zur Sache, offensichtlich ein pragmatisches Kriterium. Da in allen drei
Positionen etwas Richtiges gesehen wird, ist weiterzufragen, wie sich
die genannten essentialen, relationalen und pragmatischen Kategorien
zu einander verhalten. Dabei beschränke ich mich auf ,erzählende
Textsorten’ und lasse das Drama beiseite, um die Argumentation
von den Spezifika einer ‚darstellenden’ Gattung zu entlasten.
Fiktionen in der Werbung:
Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’
Urs Meyer
Zusammenfassung. In der Werbung unterliegt Fiktion im Gegensatz zur
Poesie Einschränkungen juristischer, pragmatischer und semantischer
Art. Werbefiktion wird darüber hinaus meist durch visuelle statt
sprachliche Mittel realisiert. Die Frage nach der Fiktion muss deshalb
aus einer semiotischen Perspektive betrachtet werden: Was ist der spezifische
Beitrag von Bildern zur Fiktion? Werbung neigt dazu, der Wahrheitsfrage
aus dem Weg zu gehen, um ihr Suggestionspotential zu steigern (auch
jenseits von ‚Alltagsfiktionen’). Das Problem der Referenz
muss deshalb auf kreative Weise gelöst werden, durch einen ikonischen
oder symbolischen Bezug auf das Produkt zum Beispiel.
Das naturwissenschaftliche Weltbild:
Wahrheit oder Fiktion?
Joachim Schröter
Zusammenfassung. Die Frage nach der Rolle von Fiktionen wird in diesem
Beitrag zunächst an das Weltbild der Physik gerichtet. Der Hauptteil
des Artikels ist der Kennzeichnung dieses Begriffs gewidmet. Die dabei
angewandte Methode ist eine Heuristik auf der Meta-Ebene. Es wird gezeigt,
dass der Schlüssel zum Verständnis der Physik der Begriff
der physikalischen Theorie ist. Er wird auf der Basis des auf Günther
Ludwig zurückgehenden Theorienkonzeptes entwickelt. In dem so abgesteckten
Rahmen lassen sich diejenigen Aussagen und Terme definieren, die das
sprachlich formulierte physikalische Weltbild darstellen. Es wird gezeigt,
dass ein Wahrheitsbegriff nach der adaequatio-Formel der Physik nicht
angemessen ist. Denn die Fiktionalität ist ein nicht zu eliminierender
Bestandteil aller heuristischen Prozesse bei der Entwicklung neuer physikalischer
Theorien. Doch bleibt das Ziel in der Physik die Gewinnung eines Weltbildes
ohne Fiktionen. Diese Ergebnisse lassen sich auch auf die anderen Naturwissenschaften
übertragen.