Arbeitsstelle für Semiotik AfS

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Die „Zeitschrift für Semiotik“: Abstracts 

Fiktionen als Repräsentationen
Jahr: 2002
Band:  24
Heft: 4

Rolf Breuer
Einleitung

Andreas Bartels
Fiktion und Repräsentation

Rolf Breuer
Von der Normabweichung zur Fiktionalität:
Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks

Urs Meyer
Fiktionen in der Werbung:
Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’

Joachim Schröter
Das naturwissenschaftliche Weltbild: Wahrheit oder Fiktion?

Erhebung
Anne Sauer
Semiotisch relevante Lehre an den Hochschulen Deutschlands,
Österreichs und der Schweiz


Fiktion und Repräsentation

Andreas Bartels

Zusammenfassung. Fiktionale Repräsentationen, vor allem Repräsentationen, die sich auf keinen realen Gegenstand beziehen, stellen eine Herausforderung für jede Repräsentationstheorie dar, besonders für Ähnlichkeitstheorien der Repräsentation. Nelson Goodman hat aus dem Umstand, dass Werke der Kunst in der Regel fiktionale Repräsentationen sind, den Schluss gezogen, dass der Repräsentationsbegriff durch den allgemeineren Begriff der Exemplifikation ersetzt werden muss. Der Aufsatz versucht zu zeigen, dass die Beziehung der Exemplifikation, entgegen Goodmans Intention, mit dem Begriff der Repräsentation als strukturerhaltender Abbildung im Einklang steht. Es wird gezeigt, dass auch wissenschaftliche Modelle als Exemplifikationen einer (nicht notwendig denotierenden) Struktur verstanden werden können. Abschließend werden diese Überlegungen durch ein kognitionswissenschaftliches Beispiel untermauert. Fiktionale Repräsentationen sind kein zwingendes Gegenbeispiel, an dem eine strukturale Ähnlichkeitstheorie der Repräsentation scheitern muss.
 


Von der Normabweichung zur Fiktionalität:
Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks

Rolf Breuer

Zusammenfassung. Im Folgenden möchte ich in groben Zügen darlegen, wie sich die Auffassung von Literatur in den letzten Jahrhunderten verändert hat, und speziell, was dabei die Kriterien der Abgrenzung der Literatur von anderen Textsorten sind. Es wird sich zeigen, dass die Differenzkriterien für diese Abgrenzung sehr verschiedenartig, ja inkommensurabel sind. Frühere Theorien sehen den Unterschied in der unterschiedlichen sprachlichen Form begründet, also in der Natur der Sache und können „essentialistisch“ genannt werden. Andere Theorien, oft auf den Roman bezogen, sehen den Unterschied in dem unterschiedlichen Wirklichkeitsbezug begründet, also in dem Verhältnis zwischen Sprache und Sache, was ein relationistisches Kriterium ist. Und wieder andere sehen den Unterschied ins Belieben des Betrachters gestellt, also in das Verhältnis des Rezipienten zur Sache, offensichtlich ein pragmatisches Kriterium. Da in allen drei Positionen etwas Richtiges gesehen wird, ist weiterzufragen, wie sich die genannten essentialen, relationalen und pragmatischen Kategorien zu einander verhalten. Dabei beschränke ich mich auf ,erzählende Textsorten’ und lasse das Drama beiseite, um die Argumentation von den Spezifika einer ‚darstellenden’ Gattung zu entlasten.


Fiktionen in der Werbung:
Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’

Urs Meyer

Zusammenfassung. In der Werbung unterliegt Fiktion im Gegensatz zur Poesie Einschränkungen juristischer, pragmatischer und semantischer Art. Werbefiktion wird darüber hinaus meist durch visuelle statt sprachliche Mittel realisiert. Die Frage nach der Fiktion muss deshalb aus einer semiotischen Perspektive betrachtet werden: Was ist der spezifische Beitrag von Bildern zur Fiktion? Werbung neigt dazu, der Wahrheitsfrage aus dem Weg zu gehen, um ihr Suggestionspotential zu steigern (auch jenseits von ‚Alltagsfiktionen’). Das Problem der Referenz muss deshalb auf kreative Weise gelöst werden, durch einen ikonischen oder symbolischen Bezug auf das Produkt zum Beispiel.
 


Das naturwissenschaftliche Weltbild:
Wahrheit oder Fiktion?

Joachim Schröter

Zusammenfassung. Die Frage nach der Rolle von Fiktionen wird in diesem Beitrag zunächst an das Weltbild der Physik gerichtet. Der Hauptteil des Artikels ist der Kennzeichnung dieses Begriffs gewidmet. Die dabei angewandte Methode ist eine Heuristik auf der Meta-Ebene. Es wird gezeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis der Physik der Begriff der physikalischen Theorie ist. Er wird auf der Basis des auf Günther Ludwig zurückgehenden Theorienkonzeptes entwickelt. In dem so abgesteckten Rahmen lassen sich diejenigen Aussagen und Terme definieren, die das sprachlich formulierte physikalische Weltbild darstellen. Es wird gezeigt, dass ein Wahrheitsbegriff nach der adaequatio-Formel der Physik nicht angemessen ist. Denn die Fiktionalität ist ein nicht zu eliminierender Bestandteil aller heuristischen Prozesse bei der Entwicklung neuer physikalischer Theorien. Doch bleibt das Ziel in der Physik die Gewinnung eines Weltbildes ohne Fiktionen. Diese Ergebnisse lassen sich auch auf die anderen Naturwissenschaften übertragen.




 
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