DFG-Forschungsprojekt
Zaza-Deutsches Textkorpus
PRESSETEXT
Das Institut für Sprache und Kommunikation - Anglistische und Allgemeine Linguistik
(Prof. Dr. Peter Erdmann) hat im Januar 2001 in Kooperation mit dem Seminar
für Geschichte und Kultur des Vorderen Orients – Iranistik (Prof.
Dr. Ronald E. Emmerick) der Universität Hamburg mit dem Projekt „Zaza-Deutsches
Textkorpus“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert
wird, begonnen.
Mit der Aufnahme, Sammlung und der Dokumentation mündlicher Volksliteratur
in der Zaza-Sprache ist Dr. Selcan seit 1976 beschäftigt. Er nahm
Märchen, Fabeln, Volkslieder, Erzählungen, Sprüche und Sprichwörter,
Glaubensdarstellungen, ethnographische Berichte usw. auf Tonbändern
auf und gewann damit ein Sprachmaterial mit rund 200 Stunden Spieldauer.
Dr. Selcan befasste sich weiterhin mit der Erforschung des Zaza und
verfasste eine ausführliche Grammatik der Zaza-Sprache, mit der er
1995 am selben Institut promovierte.
Das Zaza ist eine in Ostanatolien beheimatete selbständige Sprache.
Angesichts der massiven Sprachbedrohung und des Aussterbens der älteren
Generation, die noch als sprachkompetent und Träger mündlicher
Überlieferungen gilt, ist die Sammlung und Dokumentation der bislang
nicht verschriftlichten Volksliteratur der Zaza dringend erforderlich.
Ein Teil der Sammlung besteht aus Volksliedern, bei denen parallel
zu dem Text auch eine Notentranskription der Zaza-Lieder (in Kooperation
mit Dr. Martin Greve) durchgeführt wird, was einen ersten Beitrag
zu einer musikethnologischen Analyse bedeuten würde.
Ziel und Zweck des Projekts ist, aus gesprochenen Texten auf Tonbändern
die mündliche Literatur zu transkribieren und ins Deutsche zu übersetzen.
Mit der Dokumentation mündlicher Überlieferung und der computergestützten
Erstellung eines Zaza-Deutschen Textkorpus soll durch die vielseitige Nutzungsmöglichkeit
eine breite Forschungsgrundlage für verschiedene Fachgebiete geschaffen
werden: Sprachwissenschaft, Märchenforschung, (Volks-)Literaturforschung,
Volks- und Kulturgeschichte, Religionswissenschaft, Ethnologie (Völkerkunde),
Musikethnologie, Kulturwissenschaft.
Berlin, den 5. Januar 2001
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